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Von Kastanienwaschmittel, Efeu und Waschnüssen


2017: der erste Versuch. Von Enthusiasmus und Enttäuschung.

Das erste Mal stolperte ich in einem Insta-Post über Kastanienwaschmittel. Das war im Herbst 2017. Waschnüsse kannte ich schon seit einigen Jahren, aus der Ayurveda-Zeit meiner Schwiegermutter, hatte sie aber selbst noch nie benutzt. Eine lokale Nuss zu verwenden statt einer importierten fand ich super, also sammelte ich ein paar Tage später kurz (aber fest) entschlossen Kastanien, die von den Bäumen neben einer Bushaltestelle gefallen waren, an der ich einige Minuten warten musste. In einem Baumwollbeutel (davon habe ich immer ein ganzes Bataillon dabei) nahm ich meine Ernte mit nach Hause. Sie bestand aus allen Kastanien, die ich auf dem Boden gefunden hatte. Zu Hause las ich nochmals die zuvor gefundene Anleitung durch und verbrachte eine zusätzliche Stunde mit dem Googeln danach, welche Mixer Kastanien klein kriegen und welche Mixer die Kastanien klein kriegen... In Ermangelung eines anscheinend hervorragend geeigneten Thermomix und ausreichenden Vertrauens in meinen Smoothie-Mixer sowie aufgrund der Tatsache, dass ich mir die Zerstörung meines mir heiligen, da von meiner Omi geerbten, "KRUPS Speedy Pro" niemals verzeihen könnte, entschied ich mich schließlich fürs Zerkleinern der Kastanien mit meiner Muskelkraft und  einem scharfen Küchenmesser. Tags drauf folgte ein stundenlanger Kampf mit den Rosskastanien, aus dem kein klarer Sieger hervorging - die Kastanien waren letztendlich in Stücke gehackt, aber größtenteils ungeschält (die Schale saß einfach bombenfest!) und meine Hände waren rot, teils taub und fühlten sich total kaputt an (die Früchte mit der steinharten Schale zu zerschneiden war eine wahre Tortur und gelang nur mit gezielten Schlägen auf das Messer unter Kampfgebrüll und mit roher Gewalt). Aber ich hatte es geschafft und mir eine Ladung umweltfreundlich gewaschener Wäsche sowas von verdient!

Da ich gelesen hatte, dass die ungeschälten Kastanien nur für Buntwäsche und nicht für weiße Wäsche geeignet sind, setzte ich in einem Einmachglas das Waschmittel für den nächsten Morgen an und ließ eine Maschine rot-bunte Wäsche mit gesiebtem Kastanienwaschmittel im Einspülfach durchlaufen. Das Ergebnis überzeugte mich was den Geruch der Wäsche betraf (ich hatte kein ätherisches Öl o.ä. zugegeben - neutraler Geruch reichte mir) und auch die allgemeine Sauberkeit. Allerdings hatten zwei Teile braune Verfärbungen, wohl von den Kastanienschalen-Krümeln, die sich durch das verwendete Sieb gemogelt hatten und so in die Maschine gespült wurden. Die Flecken gingen bei erneuter Wäsche (mit herkömmlichem Waschmittel) wieder raus, aber da das ja nicht der Sinn und die Schale einfach unmöglich zu entfernen war, begrub ich diese eigentlich tolle Idee und hakte sie für mich ab. Daraus gezogen habe ich dennoch etwas:

Beim Kastanienwaschmittel gilt: NUR GESCHÄLTE KASTANIEN VERWENDEN - FÜR JEDE ART VON WÄSCHE!*

2018: noch ein Versuch! Von Tipps und Gelingen.

Vor ein paar Wochen war ich bei einer lieben Freundin zu Besuch, die ihren freien Sonntag als Waschtag nutzte. So ergab es sich, dass sie mir ihren Kastanienwaschmittel-Vorrat zeigte: den Rest ihres vor drei Jahren hergestellten Waschmittels - immerhin noch anderthalb Einmachgläser! Daraufhin erzählte ich ihr von meinem Versuch aus dem letzten Jahr und meinem Kampf mit den harten Kastanienschalen. Sie hörte sich alles an und erklärte mir dann:

 

"Ich weiß, wo das Problem lag: du warst zu spät dran mit dem Sammeln. Die Kastanien müssen ganz frisch von Baum kommen, damit man sie gut verarbeiten kann."

 

Mit dieser hilfreichen Info im Gepäck versprach ich ihr, dem ökologischen selbstgemachten Waschmittel noch eine zweite Chance zu geben und, gesagt, getan, fuhr ich ein paar Tage später, zurück zu Hause, gleich morgens zur bereits erwähnten Bushaltestelle und sammelte Kastanien - nur ganz frische, helle, rot-braune, einige vom Boden und die meisten direkt aus ihrem grünen Stachelpanzer. Die Ausbeute war zwar sehr mager (ca. 2, allerhöchstens 3 Kilo von einem Dutzend Bäume), aber zum erneuten Ausprobieren genug!

Zu Hause machte ich mich etappenweise ans Werk: nach einer Stunde war die erste Fuhre, ein gutes Drittel, fertig geviertelt, geschält und gehackt. Das Vierteln ging wirklich gut, vergleichbar mit dem Schneiden von roher Kartoffel oder Kürbis, und auch das Schälen ging recht leicht (bei manchen Schalen konnte ich meine langen Fingernägel gut gebrauchen, viele ließen sich in einem Stück ablösen). Die größte Anstrengung war mit Abstand das Hacken! Denn, wie im Vorjahr, griff ich wieder auf Messer und Muskeln zurück. Die gehackten Kastanien breitete ich auf dem Brett aus und stellte sie auf dem Balkon in die Sonne, wo sie bei ca. 40°C den Nachmittag verbrachten. Nach ca. 4-5 Stunden waren sie geschrumpft und knochentrocken. In der Zwischenzeit hatte ich auch den Rest geviertelt, geschält und gehackt. Da die Sonne fast weg war, trocknete ich die zweite Fuhre am nächsten Tag zu Ende, nachdem sie die Nacht in der Küche auf der Arbeitsfläche verbracht hatten. Als sie komplett ausgekühlt waren, füllte ich alles ab - heraus kam ein volles Einmachglas. Fürs nächste Mal weiß ich:

  • Je kg Kastanien fällt ca. eine Stunde Zerkleinerungsaufwand an.
  • Für ein volles Einmachglas Waschmittel werden 2-3 kg Kastanien benötigt.

Sehr erfreut war ich darüber, die Kastanien in der Senne trocknen zu können, da ich hierzu  nicht gerne extra Energie aufwende (den Backofen mehrere Stunden auf Niedrigtemperatur laufen zu lassen macht das Endprodukt für mich dann weniger ökologisch). Wenn die Sonne nächstes Jahr nicht so mitspielen sollte wie dieses, werde ich versuchen, die Kastanien noch feiner zu hacken oder zu mahlen und sie mit der Restwärme des Ofens nach dem Backen oder des Kochfelds nach dem Kochen (auf einem Gitter) zu trocknen.

Das Thema Energieaufwand bringt mich zum Efeu. Dass auch er sich zum Waschen eignet, las ich dieses Jahr, als ich mich durch diverse Kastanien-Anleitungen zum Ansetzen des Waschmittels klickte. Da man den Efeu kochen muss, die Waschmittel-Hersteuung also Strom verbraucht (sofern man's nicht über offenem Feuer tut), ist die Kastanie für mich persönlich die bessere Alternative, obwohl sie mit viel (Kraft-)Aufwand verbunden ist. ABER mit Muskelkraft und Sonnenenergie ist das Kastanienwaschmittel absolut emissionslos herzustellen und das ist mir die Mühe wert. Ihr Vorteil gegenüber der eingeflogenen indischen Waschnuss liegt somit auch auf der Hand.

Die Kastanien lassen sich außerdem bis zu drei Mal trocknen und weiterverwenden (das Trocknen nach der ersten Wäsche des zweiten Versuchs hat die liebe Sonne übernommen, bei unserem aktuellen Wetter gehe ich jedoch davon aus, dass ich nach dem nächsten Waschen das Trocknen mit Restwärme von Ofen oder Herd ausprobieren kann/muss). Die erste Wäsche hat übrigens super geklappt (ich habe wieder keinerlei Duftstoffe beigemischt - unter anderem auch, weil ich inzwischen gelesen habe, dass der Duft ätherischer Öle meist schon während die Wäsche trocknet verfliegt und dann kann man es ja auch gleich weglassen und sich Gelb und Mühe sparen). Ich bin sehr gespannt, wie lange das Einmachglas bei 3 EL Kastanien für 2-4 Wäschen hält (Update folgt! ☺).

 

Anwendungshinweise & (wie ich finde) nützliche Tipps:

Für die erste Wäsche habe ich in einer Glasflasche 6 TL Kastanienwaschmittel mit ca. 300 ml Wasser aus der Leitung aufgegossen und eine halbe Stunde lang ziehen lassen. Das ansetzen des Waschmittels in einer Flasche statt in einem Einmachglas finde ich praktischer, weil es dann viel leichter ist, das Sieb und das Waschmittelfach der Waschmaschine zu treffen ohne zu kleckern. Ein kleines Teesieb hilft ebenfalls dabei, weniger zu kleckern als mit einem großen Küchensieb. Da ein Esslöffel nicht durch den Flaschenhals passt, habe ich 6 TL aufgeschrieben - ist der Flaschenhals eurer Flasche breite, könnt ihr natürlich auch 3 EL nehmen. Zur Flasche noch ein Tipp zu einem vermeidbaren blöden "Fehler": die Flasche auf gar keinen Fall schütteln! Denn die Kastanien schäumen wirklich gut und beim Schütteln entsteht so viel Schaum, dass die Kastanien in der Flasche hängen bleiben statt ins Sieb zu fallen - die einzige Lösung liegt dann darin, die Reste mit mehr Wasser aus der Flasche zu spülen und dabei gehen Seifenstoffe verloren, die eigentlich für die nächste Wäsche nach dem Trocknen gedacht sind.

Das verwendete Waschmittel einfach im Sieb ausdrücken und anschließend trocknen - wenn möglich, in der Sonne. Ob es mit der Restwärme funktioniert und, wenn ja, wie lange es dann braucht, werde ich bestimmt bald nachtragen können.

Hat das Waschmittel oft genug seine Schuldigkeit getan, kann es ab auf den Kompost. Hat vielleicht jemand von euch Erfahrungen damit gemacht, ob es auch in die Wurmkiste darf, oder lieber nicht?

 

Vielen Dank, liebe Katha! ❤

* außer vielleicht für schwarze Wäsche, aber ich würde sie trotzdem nur geschält verwenden